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Leserbrief an die Volksstimme
von Peter Schulze, Wolmirstedt
Geschäftsführer
Industriegewerkschaft
Bauen Agrar Umwelt
 

Zum Interview mit Wirtschaftsminister Haseloff
Volksstimme vom 10.August 2006

Wirtschaftsminister Haseloff hat , für mich erstaunlich, in seinem Interview eine klare Forderung zur Einführung gesetzlicher Mindestlöhne aufgemacht.
Erste Reaktion; na toll jetzt begreift auch unsere Landesregierung, dass eine dauerhafte Subventionierung der Wirtschaft über Lohnzuschüsse nicht erfolgreich und auch nicht bezahlbar sein kann.
Enttäuscht hat mich dann als ich die Lohnhöhe erfahren habe die Herrn Minister vorschwebt.
4 Euro pro Stunde ist in unserem Land nicht ausreichend zum Leben und damit auch kein Anreizt um aus der staatlichen Fürsorge herauszukommen.
Die Menschen müssen merken, dass sie von dem Geld was sie verdienen auch in Würde leben können. Nun meint Herr Haseloff das die kleinen Firmen nicht überfordert werden dürfen sonst würden sie „vom Markt gefegt“.
Die IG Bauen Agrar Umwelt hat in den letzten Jahren in ihrer Tarifpolitik bewiesen, das auskömmliche Mindestlöhne auf der Grundlage eines mit den Arbeitgebern abgeschlossenen Tarifvertrages keinesfalls dazu führen das Unternehmen „vom Markt gefegt“ werden. Im Gegenteil die Einführung von Mindestlöhnen hat dazu geführt , das zumindest der ruinöse Wettbewerb über besonders niedrige Löhne kaum noch eine Rolle spielt. Derzeitig gelten Mindestlöhne

  Für Hilfskräfte Für Fachkräfte
im Baugewerbe
im Abwrackgewerbe
im Dachdeckerhandwerk
im Maler Lackiererhandwerk
im Gebäudereinigerhandwerk
8.90 Euro
8,80 Euro
10,00 Euro
7.15 Euro
6,36 Euro
9.80 Euro
9,80 Euro

9,37 Euro
In keinem der Bereiche hat der Mindestlohn dazu geführt, dass Betriebe schließen mussten. Viele Handwerksmeister die früher auf den Mindestlohn geschimpft haben betrachten ihn heute als ein wichtiges Wettbewerbskriterium, das dem Preisdumping zumindest auf diesem Feld einen Riegel vorschiebt.
Angenehmer Nebeneffekt, keiner der Beschäftigten ist auf staatliche Fürsorge angewiesen, die Sozialkassen erhalten ihre Beiträge und auch die Altersarmut als tickende Zeitbombe für die Zukunft ist etwas entschärft.
Das Niedriglöhne nicht unbedingt für mehr Arbeitsplätze sorgen müsste eigentlich auch Herr Haseloff erkennen. Wenn dieses Argument stimmen würde müssten wir in Sachsen Anhalt eigentlich Vollbeschäftigung haben und in Baden Württemberg die höchste Arbeitslosigkeit wie bekannt ist es leider umgekehrt. Herr Haseloff sollte eigentlich dafür eintreten, dass in den Betrieben auskömmliche Löhne gezahlt werden, dann erübrigt sich die Diskussion zu„ Arbeitsunwilligen“ oder reduziert sich auf die tatsächlich nicht willigen.